🍄 PilzCheck

Sicherheit · 6 Min. Lesezeit

Pilzvergiftung erkennen und richtig handeln

Eine Pilzvergiftung ist ein Notfall. Wer die Warnzeichen kennt und richtig reagiert, kann Leben retten. Das Wichtigste in Kürze.

Die Latenzzeit entscheidet über die Gefahr

Die wichtigste Frage bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung lautet: Wie lange nach dem Essen treten die Beschwerden auf?

  • Früh (15 Minuten bis 4 Stunden): meist Magen-Darm-Gifte oder das muscarinische Syndrom. Unangenehm, aber selten lebensbedrohlich.
  • Spät (ab 6 Stunden, oft 8 bis 24 Stunden): hochgefährlich. Eine späte Latenzzeit deutet auf die tödlichen Amatoxine der Knollenblätterpilze hin. Hier zählt jede Stunde.

Das trügerische freie Intervall

Besonders heimtückisch bei einer Amatoxin-Vergiftung ist das freie Intervall: Nach der ersten heftigen Magen-Darm-Phase scheint es dem Betroffenen zwischenzeitlich besser zu gehen. In Wahrheit schädigt das Gift in dieser Ruhephase bereits die Leber. Lass dich davon niemals täuschen, die scheinbare Besserung ist kein Zeichen von Entwarnung.

Typische Symptome

Übelkeit, heftiges Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfall, Schweißausbrüche, Schwindel, Sehstörungen oder Kreislaufprobleme. Je nach Gift kommen weitere Zeichen hinzu. Bei den Nierengiften der Schleierlinge treten Symptome sogar erst nach Tagen bis Wochen auf.

Was du im Ernstfall tust

  1. Giftnotruf oder 112 anrufen. Schildere, was gegessen wurde und wann. Die Giftnotrufzentralen beraten rund um die Uhr.
  2. Reste aufheben: Putzabfälle, rohe Pilzreste, Erbrochenes. Sie helfen bei der Bestimmung des Giftes und der richtigen Behandlung.
  3. Kein Erbrechen erzwingen und keine Milch oder Alkohol geben, das kann die Aufnahme des Giftes sogar beschleunigen.
  4. Betroffene nicht allein lassen. Bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage, Atmung kontrollieren.
  5. Auch bei Besserung zum Arzt. Gerade wegen des freien Intervalls gilt: lieber einmal zu viel abklären.

Wichtige Nummern (DACH)

  • Deutschland: die regionalen Giftnotrufzentralen (z. B. Berlin, München, Mainz, Bonn, Freiburg, Göttingen, Erfurt).
  • Österreich: Vergiftungsinformationszentrale (VIZ) in Wien.
  • Schweiz: Tox Info Suisse, Notrufnummer 145.

Speichere die für dich zuständige Nummer am besten schon vor der Pilzsaison ins Handy.

Unechte Pilzvergiftung

Nicht jede Beschwerde ist eine echte Vergiftung. Auch einwandfreie Speisepilze können Probleme machen, wenn sie zu alt, verdorben, roh oder falsch gelagert waren (Stichwort Plastiktüte) oder in zu großer Menge gegessen wurden. Auch das gehört ärztlich abgeklärt.

Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Im Zweifel immer den Giftnotruf oder die 112 kontaktieren.

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